Google is watching you! "Don't be evil" ? – Pah..

Google wirbt für dubiose Therapien

Wissenschaftler verlangen von Google, die Werbeanzeigen auf der Suchmaschinenseite besser zu prüfen. Dubiose Anbieter kaufen sich Begriffe wie „Aloe“ oder „Krebs“ und locken so Surfer auf Web-Seiten, die medizinisch fragwürdige Produkte verkaufen.

Streit um Googles Adwords gibt es immer wieder. Der Suchmaschinengigant verkauft theoretisch für jeden denkbaren Suchbegriff Kleinanzeigenplätze. Wenn ein Snowboard-Webshop beispielsweise neue Kunden gewinnen will, dann kann es das Adword „Snowboard“ kaufen. Immer wenn ein Surfer dann dieses Wort ins Suchfenster eingetippt hat, erscheint der Link zu dem Webshop rechts neben den Treffern.

Juristischen Ärger gibt es allerdings, wenn eine Firma den Markennamen eines Konkurrenzproduktes kauft. Oder wenn ein Erotikanbieter seine Anzeigen immer dann plaziert, wenn Surfer nach einer bestimmten Automarke googeln. Und jetzt kritisieren sogar Mediziner das Adwords-Geschäft. Google müsse seine Anzeigen besser kontrollieren, schreiben Marco Massoni und seine Kollegen von der Universität Florenz im Fachblatt „British Medical Journal“.

Die Wissenschaftler berichten über ihre Beobachtungen bei der Suche nach dem Begriff „Aloe“. In der italienischen Google-Version seien daraufhin zwei sogenannte gesponserte Links erschienen. Auf einer der Seiten werde Tintenfisch-Aloe (Aloe arborescens) als „hilfreich in der Chemotherapie“ angepriesen. „Aloe wird auch zur Vorbeugung empfohlen“, hieß es außerdem. Der Anbieter verkaufe zugleich ein Produkt namens „Aloe Arborescens Superior“ auf seiner Web-Seite.

Google musste bereits in der Vergangenheit sein Adwords-System anpassen, etwa um zu vermeiden, dass ein Kofferhersteller nicht neben Treffern wirbt, in denen es um die Kofferbomber geht, die beinahe in Deutschland Dutzende Menschen getötet hätten. „Wir denken, Google muss seine Filter weiter verbessern“, schreiben Massoni und seine Kollegen. „Eine Werbung zu zeigen, die Aloe und Krebs zusammenbringt, obwohl man nur nach Aloe gesucht hat, ist nicht akzeptabel.“

Ähnliche Fälle gibt es auch auf der deutschen Google-Seite. Wenn man beispielsweise nach dem Begriff „Krebs“ sucht, was sicher viele Patienten tun, taucht unter den Adwords-Anzeigen häufig auch ein Webshop auf, der indischen Weihrauch offeriert. Geht man auf die Weihrauch-Seite, dann findet man den Begriff Krebs dort nicht einmal – doch gebucht wurde er ganz gezielt als Adword.

Doch Google hält Kritik für unbegründet und verweist auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE auf seine Werberichtlinien: „Die Anzeigenschaltung für Wundermittel ist nicht gestattet und Online-Apotheken müssen eine Lizenz und eine Genehmigung der zuständigen Gesundheitsbehörde für den Versand apothekenpflichtiger Arzneimittel besitzen.“ Die Kontrollmechanismen der Firma seien gut darin, Anzeigen zu erkennen, die gegen die Richtlinien verstießen. Solche Werbung würde dem Nutzer auch nicht angezeigt. „Wenn wir bemerken, dass wir Anzeigen schalten, die nicht mit unseren Richtlinien konform gehen, entfernen wir sie sofort“, so Google.

Kritikern reicht das nicht aus: „Google hat schon oft erklärt, dass es in den Gesundheitsmarkt einsteigen will“, schreiben die italienischen Mediziner. Ein sinnvoller erster Schritt dahin sei, die Filter und Algorithmen zu überarbeiten, um möglichen Schaden von den Nutzern der Suchmaschine abzuhalten.

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