Google is watching you! "Don't be evil" ? – Pah..

„Google steuert auf schwere Zeiten zu“, Artikel aus der ‚ComputerZeitung‘

Posted in Überwachung, Datenspeicherung, Dienste, Finanzielles, Kritisches, Studien by giwy on 2009-04-01

Computerzeitung.de hat vor kurzem einen sehr guten Artikel zu Googles Diensten und Finanzen veröffentlicht, den ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Wie gewohnt könnt ihr den Artikel im Full-Quote auch hier im Blog lesen. Für alle anderen ist die Quelle unten verlinkt.


Sicherheitslücken, fehlende Enterprise Unterstützung und Entlassungen: Dem einstigen Branchenliebling Google bläst zur Zeit ein rauer Wind ins Gesicht.

Auch wenn Google als einer der Vorreiter des Cloud Computing gilt – erst gestern haben die Kalifornier ihre Web-Applikation „Texte und Tabellen“ um eine Zeichenfunktion erweitert – so häufen sich doch kritische Stimmen: Wurde Google auf der Cebit noch mit dem Innovationspreis 2009 in der Kategorie IT-Security ausgezeichnet, fordern jetzt US-Datenschützer ein staatliches Vorgehen gegen die Internet-basierten Dienste des Konzerns. Enterprise Anbieter beklagen eine fehlende Social-Networking-Komponente in den Google Web-Applikationen. Und nicht zuletzt reagiert das Unternehmen mit der bereits dritten Entlassungswelle in diesem Jahr auf das dank weltweiter Finanzkrise schlecht laufende Anzeigengeschäft.

Mit seinen online-basierten Diensten hat sich der Suchmaschinen-Riese ein sicheres zweites Standbein geschaffen. Inzwischen nutzen Unternehmen aller Größen und Branchen die Vorteile des Cloud-Computing Modells. In den letzten Jahren hat Cloud Computing laut IDC ein außergewöhnliches Wachstum erfahren. Noch 2005 schätzten die Analysten den weltweiten SaaS-Markt (Software as a Service) für 2004 auf 4,2 Milliarden US Dollar, 2008 prognostizierten sie das Marktvolumen für 2012 auf 19,8 Milliarden US-Dollar. Heute schätzt IDC, das es weltweit mehr als 1000 Saas-Anbieter gibt und über 33 Milliarden US-Dollar in diese Anbieter investiert wurden“, so Robert Mahowald, Director of SaaS and On Demand Research bei IDC.

Als die Kalifornier auf der diesjährigen Cebit mit dem Innovationspreis in der Kategorie IT-Security ausgezeichnet wurden, schien die Google-Welt noch weitgehend in Ordnung. Googles Enterprise und Channel-Chef Kai Gutzeit freute sich über die Auszeichnung, denn: „unsere Security-Produkte bieten Unternehmen aller Größen, speziell auch dem Mittelstand, effizienten, wirkungsvollen Schutz vor Virusangriffen, Malware und anderen Sicherheitsverletzungen. Das Angebot beruht auf einem SaaS-Modell, das Geld und IT-Ressourcen in Unternehmen einsparen hilft, da keine Hard- und Software installiert und gewartet werden muss“. Zusätzlich zu den Diensten der Google Apps Premier Edition galt die Auszeichnung den drei Stand-Alone-Sicherheitsprodukten Google Message Filtering, Google Message Security und Google Message Discovery. Diese Sicherheitslösungen stehen auch Unternehmen zur Verfügung die keine Google-Apps-Kunden sind.

Erst seit kurzem ist Sicherheit ein wirkliches Thema für Cloud Services, erläutert der Analyst Martin Kuppinger. Eine solche Entwicklung sei typisch in der IT: Zuerst kämen die Anwendungen, erst danach würden Sicherheitslösungen „drangestrickt und nicht wirklich implementiert“, fährt er fort. Vor diesem Hintergrund sind Sicherheitslücken in den Anwendungen sicher nicht verwunderlich.

Die jetzt bei Google bekannt gewordenen Sicherheitslücken, betreffen zwar nicht die ausgezeichneten Dienste, werden von Experten aber als gravierende Mängel eingestuft. Die amerikanische Datenschutz-Organisation Electronic Privacy Information Center hatte bei der für Verbraucherschutz zuständigen US-Handelskommission vor einer Woche eine Beschwerde eingereicht, da „ jüngste Ereignisse nahe legten, dass Google vertrauliche Informationen nicht angemessen speichert“ . Dabei beriefen sich Datenschützer auf einen Vorfall, den Google vor einem Monat eingeräumt hatte: Wegen eines technischen Fehlers, so die Kalifornier, hätte ein kleiner Prozentsatz von Nutzern bei Google Docs vorübergehend Zugang zu Dokumenten anderer Nutzer gehabt.

Doch leider ist die wohl kein einmaliger Vorfall, glaubt man dem gestrigen Posting von Michael Hickins bei Google Watch. Dieser beruft sich auf den Sicherheits-Researcher Ade Barkah, demzufolge Google Docs drei gravierende Sicherheitslöcher aufweist. Barkah behauptet, ein User könne unter gewissen Umständen nach wie vor Zugriff auf ein vom Verfasser für ihn gesperrtes Dokument erlangen. Außerdem mahnt er an, dass die Grafiken eines Dokuments auch nach dessen Löschung weiter abgerufen werden könnten, beziehungsweise ein zugelassener Nutzer auch ältere Versionen einer geänderten Grafik abrufen könne. In einer ersten Stellungnahme zu diesen Vorwürfen bestreitet Google gravierende Sicherheitslücken bei Google Docs, will aber den Anschuldigungen nachgehen und eventuelle Ergebnisse bekannt geben.

Wurden Googles Web Apps ursprünglich für den privaten Nutzer entwickelt, so setzen die Kalifornier schon länger zunehmend auf den Enterprise Markt. „Um hier skalieren zu können und entsprechende Wachstumsraten zu erreichen, ist für uns die Zusammenarbeit mit Partner von großer Bedeutung“, stellt Gutzeit die Ziele des Unternehmens in einem Interview mit der Information Week vor. Deshalb habe das Unternehmen bereits im Februar mit dem Channel ein erfolgreiches Reseller Programm für seine Online-Anwendungen ins Leben gerufen.

Gerade für Unternehmensanwender interessant dürften auch die jüngsten Neuerungen in den Bereichen Video, Voice und Chat sowie die Offline Verfügbarkeit sein. Kai Gutzeit: „Unser Ziel ist es, Google Apps als Cloud Computing-Thema überall und plattformunabhängig verfügbar zu machen“. Dabei haben die Kalifornier aber bisher das Social Networking vernachlässigt. Das Fehlen einer solchen Komponente mahnen viele Business-Anwender an. Da hat die Konkurrenz die Nase deutlich vorne. IBM hat mit Connections eine Social Networking Anwendung bereits im Juni 2007 in Lotus integriert. Laut Marktanalyst Forrester war Lotus Connections bereits im ersten Jahr IBMS kommerzielles Softwareprodukt mit dem schnellsten Umsatzwachstum und im vergangenen Jahr konnte es seine Anwenderzahlen noch einmal verdoppeln. Auch Microsoft ist inzwischen eine strategische Partnerschaft mit NewsGator Technologies eingegangene um auf seinem SharePoint Server eine Social Networking-Komponente anbieten zu können.

Trotz der Verspätung ist Forrester Analystin Sheri McLeish überzeugt, dass auch Google „in diese Richtung gehen wird“, schließlich habe das Unternehmen mit Orkut bereits einen Social Network-Dienst für private Anwender und erlaubt es seinen Account-Inhabern private Profile zu erstellen. Es müsste also lediglich eine bereits existierende Technologie auf Business-Anwendungen übertragen werden. „Googles Problem ist“, glaubt McLeish, „dass sie mit ihren Apps überall dabei sein wollen, es aber mit der konkreten Verzahnung der einzelnen Dienstleistungen und Produkte hapert.“

.Quelle

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