Google is watching you! "Don't be evil" ? – Pah..

Kommentar: Politiker unterstützen Rechtehalter im Kampf gegen Google

Posted in Book Search, Finanzielles, Klagen, Verhandlungen by giwy on 2009-06-03

Gegen die millionenfache Digitalisierung von Büchern durch den Internetgiganten Google und dessen sträfliche Ignoranz gegenüber den Rechteinhabern wenden sich jetzt verstärkt auch deutsche Politiker. Sie tun dies reichlich verspätet, dafür aber weniger halbherzig als noch vor einem Monat, als mehr als 1000 Autoren und Verleger sie mit dem „Heidelberger Appell“ in die Pflicht nehmen wollten. Damals boten Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nur wolkige Solidaritätsphrasen auf, um die skandalöse geistige Enteignung durch die „Google-Buchsuche“ denkbar dezent zu monieren.

Jetzt, endlich, scheinen erste pragmatische Schritte zur Unterstützung entrechteter Autoren in Sichtweite: Bernd Neumann fordert die Europäische Kommission auf, zeitnah zu prüfen, ob und wie die Europäische Union Einfluss auf den in den USA geschlossenen Google-Vergleich nehmen kann, der bislang nur eine sehr geringfügige Entschädigung enteigneter Autoren vorsieht. Auch Vizekanzler Frank Walter Steinmeier (SPD) spricht sich für eine rasche Intervention der EU-Kommission aus. Zugleich stellt er in Aussicht, die Bundesregierung werde deutsche Autoren in ihrem Widerstand gegen das so genannte Google Settlement unterstützen. Dies auch deshalb, weil der unrechtmäßige Bücherraubzug des kalifornischen Suchmaschinisten deutlich zu Lasten von europäischen Digitalisierungsprojekten wie Europeana und Libreka gehe.

Die Urheberrechtssachwalter Steinmeier, Neumann und Zypries werden sich schon darum am Erfolg ihrer Einsprüche und weitergeleiteten Appelle messen lassen müssen, weil diese erst so sträflich spät erfolgt sind: Nur weil die Einwendungsfrist für den Google-Buchsuche-Vergleich über den 5. Mai hinaus um 60 Tage verlängert worden ist, haben hiesige Rechteinhaber, als deren Wortführer sich die bisher gleichfalls eher passive Verwertungsgesellschaft (VG) Wort versteht, überhaupt noch die Möglichkeit, Widerspruch gegen den faulen Google-Kompromiss einzulegen.

Die Entrechteten sollten ihre Argumente mit Bedacht wägen und dennoch zügig auf den Weg bringen. Denn in dem anhängigen Verfahren geht es nicht bloß um die Frage, ob ein ohne Einwilligung des Autors digitalisiertes Buch dem vermögenden Internet-Raffke Google nun 60 oder 70 Dollar wert zu sein hat. Es geht vielmehr um die kulturell bedeutsame Frage, ob geistige Enteignung zur medialen Signatur, mithin zu einem Menetekel des 21. Jahrhunderts wird.

Quelle: .DieWelt

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